Nach einer guten Runde fühlt sich alles richtig an. Die Hüfte war drin, die Hände waren oben, der Kick saß. Dann siehst du das Video und erkennst dich kaum wieder. Das heißt nicht, dass du schlecht bist. Es heißt, dass dein Gefühl für die eigene Technik ein schlechter Zeuge ist. Es war dabei, es ist parteiisch, und es erinnert sich an die Absicht statt an die Bewegung.
Dein Gefühl für deine Technik liegt oft daneben. Das Video nicht.
Was eine Technik-Analyse ist
Eine Technik-Analyse ist die Zerlegung einer Bewegung in Phasen, um die Stelle zu finden, an der Wirkung oder Schutz verloren gehen. Sie fragt nicht, ob etwas gut aussieht. Sie fragt, wo die Kraft hingeht und wo du offen bist.
Dazu gehört ein zweiter Begriff. Ein Fehlerbild ist eine wiederkehrende Abweichung mit einer Ursache und einer Folge. „Falsch“ beschreibt ein Gefühl. Ein Fehlerbild beschreibt, was du im Bild siehst, warum es passiert und was es dich kostet. Erst wenn alle drei Teile da sind, lässt es sich korrigieren.
1. Die Aufnahme entscheidet
Die meisten Analysen scheitern, bevor sie beginnen: am Handy, das irgendwo liegt. Schräg von unten, zu nah, der Kopf abgeschnitten, und im schnellsten Moment ist der Fuß nur noch ein Schleier. Dann vergleichst du nicht deine Technik, sondern Zufälle.
- Seitlich: Die Kamera steht im rechten Winkel zur Schlag- oder Trittrichtung. Von vorn siehst du weder Hüfte noch Gewichtsverlagerung.
- Hüfthöhe: Stativ, Stuhl, Regal. Nicht der Boden, nicht die Hand eines Freundes.
- Etwa drei Meter Abstand: Kopf und Füße bleiben während der ganzen Bewegung im Bild.
- Hauptkamera statt Selfie-Kamera: Die Selfie-Kamera speichert je nach Handy seitenverkehrt. Dann stimmen links und rechts nicht mehr, und du korrigierst die falsche Seite.
- Immer dieselbe Einstellung: Vorher und nachher aus derselben Position filmen. Sonst vergleichst du zwei Kamerapositionen.
Ein schlechtes Video zeigt dir nicht deine Fehler. Es zeigt dir die Fehler der Kamera.
2. Zeitlupe, dann Einzelbilder
Einmal in normaler Geschwindigkeit ansehen reicht für den Eindruck. Für die Analyse brauchst du zwei weitere Durchgänge. Zuerst die Zeitlupe, um die Phasen zu erkennen: Start, Auslösung, Mitte, Treffer, Rückkehr. Dann einzelne Standbilder, gleichmäßig über die Bewegung verteilt.

Bewährt haben sich acht Bilder pro Technik. Auf der Startseite sind zwei Beispiele so zerlegt, ein fliegendes Knie und ein gesprungener Kick, je acht Bilder mit 0,17 Sekunden Abstand: Technik, Bild für Bild. Acht Bilder reichen, um jede Phase zu sehen, und sind wenig genug, um sich nicht im Detail zu verlieren.
In Echtzeit siehst du, was du wolltest. Im Standbild siehst du, was du gemacht hast.
3. Worauf du achtest, in dieser Reihenfolge
Wer auf alles gleichzeitig schaut, sieht nichts. Geh die Bilder viermal durch, jedes Mal mit einer einzigen Frage.
- Die Hüfte. Geht sie in Richtung Ziel, oder bleibt sie hinten, während Arm oder Bein allein arbeiten? Kraft, die nicht aus der Hüfte kommt, kommt aus dem Arm, und der Arm allein ist schwach.
- Die Hand der Gegenseite. Während die eine Hand schlägt oder das Bein tritt: Wo ist die andere Hand? Sie ist der Schutz, und sie verschwindet am liebsten genau dann, wenn du angreifst.
- Die Gewichtsverteilung. Liegt der Kopf über den Füßen? Wenn der Oberkörper nach hinten kippt, um Höhe zu gewinnen, schiebt die Technik nur noch, statt zu stoßen.
- Die Rückkehr. Wo bist du im letzten Bild? Wieder in der Ausgangsstellung, Hände oben, oder irgendwo zwischen zwei Techniken?
Der wichtigste Hinweis dazu: Sieh zwischen die Treffer. Fehler sitzen selten im Moment des Kontakts, denn da konzentrierst du dich. Sie sitzen in den Bildern davor und danach, wenn du nachlädst, dich eindrehst oder schon an die nächste Technik denkst.
4. Ursache vor Symptom
„Hände unten“ ist ein Symptom. „Deckung kommt nur zum Treffer, nicht dazwischen“ ist eine Ursache. Ein Symptom kannst du dir nur vornehmen. Eine Ursache kannst du trainieren.
Für jedes Fehlerbild schreibst du deshalb drei Zeilen: was du siehst, warum es passiert, was es dich kostet. Fehlt die zweite Zeile, hast du noch keinen Fehler gefunden, sondern nur ein Gefühl über ein Bild.

5. Eine Korrektur zur Zeit
Am Ende einer ehrlichen Analyse stehen meist mehrere Fehlerbilder. Die Versuchung ist groß, alle auf einmal zu reparieren. Wer drei Fehler gleichzeitig korrigiert, korrigiert drei halbe Fehler.
- Nimm den Fehler, der die meisten anderen verursacht. Oft ist das die Hüfte oder die Gewichtsverteilung, nicht die Hand.
- Gib ihm einen Drill und einen Messpunkt, den man im Video sehen kann. Zum Beispiel: „Beim Treffer liegt die Hüfte vor der Standferse.“
- Erst wenn der Messpunkt in der neuen Aufnahme sitzt, kommt die nächste Korrektur.
Ein Messpunkt, den man nicht filmen kann, ist ein Vorsatz.
Ich habe es an mir selbst ausprobiert
Den Anfang macht man am besten mit einem Clip, auf den man stolz war. Bei mir war das eine Kombination aus Stoppkick, Knie und Push am Sack, gefilmt im April 2025 mit dem Handy auf dem Boden und der Selfie-Kamera. Also genau so, wie es oben nicht steht. Ich fand den Clip damals gut.
Bild für Bild sah es anders aus. Das Gleichgewicht auf einem Bein war stabil, und in den Momenten des Treffers waren die Hände oben. Dazwischen hingen sie am Hosenbund. Das Knie ging nach oben statt nach vorn. Und die Kombination endete nicht im Stand, sondern in einem Sprung aus dem Bild. Drei Fehlerbilder, keines davon im Moment des Kontakts.
Das ist der eigentliche Grund für diesen Artikel: Wer andere analysiert, fängt bei sich an. Die ganze Auswertung mit allen acht Bildern und dem Korrekturplan steht als Beispiel in File 05.
Die häufigsten Fehler bei der Analyse
| Fehler | Was passiert | Ursache |
|---|---|---|
| Falscher Winkel | Hüfte und Gewicht sind nicht zu beurteilen | Kamera von vorn, von unten oder zu nah |
| Nur Treffer angeschaut | Das Video wirkt sauber, die Lücken bleiben unsichtbar | Aufmerksamkeit beim Kontakt statt bei den Bildern dazwischen |
| Symptom statt Ursache | „Hände höher“ wird beschlossen und wieder vergessen | Keine Antwort auf die Frage, warum die Hände fallen |
| Alles auf einmal | Nach zwei Wochen ist nichts wirklich besser | Drei Korrekturen gleichzeitig, keine bekommt genug Wiederholungen |
| Nur Fehler gesucht | Die Lust aufs Filmen verschwindet | Was gut ist, wird nicht festgehalten und damit auch nicht geschützt |
Wie du vorgehst
- Eine Technik wählen. Nicht die ganze Runde. Eine Technik oder eine kurze Kombination.
- Richtig filmen. Seitlich, Hüfthöhe, etwa drei Meter, Hauptkamera, mehrere Wiederholungen.
- Die beste Wiederholung auswählen. Nicht die schlechteste. Du willst sehen, wo selbst deine beste Version Kraft oder Schutz verliert.
- Acht Bilder ziehen. Gleichmäßig von Start bis Rückkehr.
- Vier Durchgänge, vier Fragen. Hüfte, Hand der Gegenseite, Gewicht, Rückkehr.
- Fehlerbilder aufschreiben. Was du siehst, Ursache, Folge. Und was gut ist.
- Eine Korrektur, ein Drill, ein Messpunkt. Zwei Wochen, dann neu filmen, gleiche Einstellung.
Häufige Fragen
Reicht ein normales Handy?
Ja. Wichtiger als die Kamera sind Position, Licht und Abstand. Wenn dein Handy Zeitlupe kann, nutze sie für schnelle Techniken wie Tritte.
Wie oft sollte ich mich filmen?
Für eine Korrektur reicht eine Aufnahme am Anfang und eine nach etwa zwei Wochen. Wer sich jeden Tag filmt, schaut irgendwann nur noch aufs Handy, statt zu trainieren.
Kann ich mich selbst wirklich analysieren?
Teilweise. Die Aufnahme zeigt dir vieles, was dein Gefühl verschweigt. Wer es selbst versucht, merkt aber auch, wie viel ein geschultes Auge zusätzlich sieht, vor allem bei der Ursache hinter einem Fehlerbild.
Kurz gesagt
- Dein Gefühl erinnert sich an die Absicht, das Video an die Bewegung.
- Seitlich, Hüfthöhe, drei Meter, immer dieselbe Einstellung.
- Erst Zeitlupe, dann acht Einzelbilder.
- Hüfte, Hand der Gegenseite, Gewicht, Rückkehr. Und immer zwischen die Treffer schauen.
- Eine Korrektur zur Zeit, mit einem Messpunkt, den man filmen kann.
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Technik-Analyse: Bild für Bild
- Richtig filmen in fünf Einstellungen
- Deine Technik in acht Bildern auswerten
- Fehlerbilder für Jab, Rechte, Low Kick, Teep und Knie
Lass ein zweites Auge draufschauen.
In der Diagnose filmen wir deine Technik und gehen die Aufnahme gemeinsam durch, Bild für Bild. Danach weißt du, welche Korrektur zuerst kommt.
Probetraining mit Diagnose anfragenWeiterlesen: Kombinationen bauen. Jeder Angriff öffnet eine Lücke.