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Der Low Kick. Erst verteidigen, dann treten.

Der Low Kick ist der Angriff mit dem besten Verhältnis von Risiko zu Wirkung. Genau deshalb musst du ihn zuerst verteidigen lernen.

Hans Moritz HafenNovember 2026

Körper

Der Low Kick sieht unspektakulär aus. Kein Sprung, kein Kopftreffer, nur ein Schienbein gegen einen Oberschenkel. Genau deshalb wird er unterschätzt, beim Treten und beim Verteidigen. Wer ihn nicht checken kann, merkt das nicht in der ersten Runde. Er merkt es in der dritten, wenn das Bein nicht mehr trägt.

Was ein Low Kick ist

Ein Low Kick ist ein Rundkick mit dem Schienbein gegen das Bein des Gegners, meist gegen die Außen- oder Innenseite des Oberschenkels. Er greift nicht den Kopf an, sondern die Basis, auf der alles andere steht.

Im Artikel über das Boxen ging es um die Kette vom Boden zur Faust. Der Low Kick dreht das um: Er zielt auf den Anfang der gegnerischen Kette. Ein Bein, das nicht mehr sicher steht, kann weder sauber schlagen noch sauber ausweichen. Darum hat der Low Kick das beste Verhältnis von Risiko zu Wirkung im Striking. Und genau deshalb lernst du ihn zuerst zu verteidigen.

1. Hüfte dreht durch, Schienbein trifft

Der Low Kick ist kein Tritt mit dem Bein. Er ist eine Drehung des ganzen Körpers, die im Schienbein ankommt.

  • Das Standbein dreht auf dem Ballen nach außen. Die Ferse zeigt am Ende ungefähr zum Gegner.
  • Die Hüfte dreht durch das Ziel hindurch, nicht nur bis zum Ziel.
  • Getroffen wird mit dem Schienbein, nicht mit dem Fuß und nicht mit dem Spann. Der Fuß ist zu klein und zu zerbrechlich für diesen Job.
  • Das Bein ist beim Auftreffen leicht gebeugt, nicht durchgestreckt.
Hans Moritz Hafen tritt einen Rundkick gegen den Sandsack
Rundkick am Sandsack: Das Standbein dreht, die Hüfte geht mit

Das Bein liefert nur aus. Gedreht wird im Standbein.

2. Setup durch Schläge oben

Ein Low Kick ohne Vorbereitung ist ein Angebot. Der Gegner sieht ihn kommen, checkt ihn oder kontert, während du auf einem Bein stehst.

  • Schläge oben lenken Blick und Hände nach oben. Unten wird es frei.
  • Klassisch: Jab, Rechte, Low Kick mit dem hinteren Bein. Die Rechte dreht die Hüfte schon in die richtige Richtung.
  • Der Kick kommt, wenn das Gewicht des Gegners auf dem Bein liegt, das du triffst. Ein belastetes Bein kann nicht ausweichen.

Darum geht es auch im Kreide-File Das Finale ist nur die Unterschrift: erst Kontrolle, dann Abschluss. Der Low Kick ist nicht der Anfang der Kombination. Er ist das, was die Kombination vorbereitet hat.

Oben fragen, unten antworten.

3. Die Hand auf der Kick-Seite bleibt oben

Beim Rundkick will der Arm auf derselben Seite nach hinten schwingen, als Gegengewicht. Das fühlt sich kraftvoll an. Es öffnet aber genau die Seite des Kopfes, auf der du gerade nichts zur Verteidigung hast.

  • Die Hand auf der Kick-Seite bleibt am Gesicht oder geht leicht nach vorn, als Rahmen.
  • Die andere Hand darf sich bewegen, um das Gleichgewicht zu halten, aber nicht weit.
  • Nach dem Kick landest du wieder im Stand, mit beiden Händen oben.

Das ist eines der häufigsten Fehlerbilder in Videoanalysen: Der Kick ist sauber, die Hüfte dreht, und trotzdem fällt die Hand. Es ist derselbe Fehler wie beim Boxen, nur an einer anderen Stelle der Kette.

Beine von Hans Moritz Hafen beim Kicktraining am Sandsack
Kicktraining am Sack: Treffer mit dem Schienbein, nicht mit dem Fuß

Wer beim Treten die Deckung wegwirft, bezahlt den Kick mit dem Kopf.

4. Checken ist Timing, nicht Härte

Den Low Kick checken heißt: Du hebst das angegriffene Bein an und nimmst den Tritt mit deinem Schienbein auf, statt mit dem weichen Oberschenkel. Viele glauben, dafür brauche man vor allem harte Schienbeine. Das stimmt nur zum kleinen Teil.

  • Das Knie geht nach oben und leicht nach außen, Richtung Ellbogen auf derselben Seite. Schienbein und Ellbogen schließen die Seite.
  • Das Standbein bleibt gebeugt und stabil. Wer beim Checken nach hinten kippt, hat zu spät gehoben.
  • Der Check kommt früh, wenn die Hüfte des Gegners zu drehen beginnt, nicht erst, wenn das Bein schon unterwegs ist.
  • Nach dem Check setzt du das Bein ab und antwortest sofort. In dem Moment steht der Gegner noch auf einem Bein.

Checken lernt man nicht, indem man sich die Schienbeine an harten Gegenständen abhärtet. Das ist ein Mythos mit Verletzungsrisiko. Man lernt es durch Wiederholung mit einem Partner, der langsam und kontrolliert tritt, bis das Lesen der Hüfte automatisch wird.

Ein Check zu spät ist nur ein Treffer mit Ansage.

Die häufigsten Fehler und ihre Ursache

FehlerWas du siehstUrsache
Kick ohne SetupDer Gegner checkt oder kontert, bevor der Kick ankommtDer Kick wird als Einzeltechnik gedacht, nicht als Teil einer Kombination
Treffer mit dem FußSchmerz im Spann oder in den Zehen, wenig WirkungDistanz zu groß, oder die Hüfte dreht nicht durch und das Bein wird gestreckt
Hand fälltDer Arm auf der Kick-Seite schwingt nach hintenDer Arm wird als Gegengewicht gebraucht, weil das Standbein nicht dreht
Standbein bleibt stehenDer Kick wirkt hölzern, das Knie des Standbeins schmerztDie Ferse dreht nicht nach außen, die Drehung bleibt im Knie hängen
Check zu spätDer Kick trifft trotz gehobenem Bein den OberschenkelEs wird auf das Bein reagiert statt auf die Hüfte

Auch hier liegt die Ursache fast immer weiter unten als das Symptom. Die fallende Hand ist oft ein Standbein-Problem. Wer das Standbein nicht dreht, braucht den Arm, um nicht umzufallen.

Wie du es trainierst

  1. Standbein-Drehung ohne Kick. Im Stand nur die Drehung auf dem Ballen üben, bis die Ferse von selbst nach außen geht.
  2. Langsamer Kick in die Luft. Hüfte durchdrehen, Hand auf der Kick-Seite am Gesicht, zurück in den Stand. Vor dem Spiegel.
  3. Kick an den Sack, langsam. Auf das Schienbein als Trefferfläche achten, nicht auf Härte.
  4. Kombination. Jab, Rechte, Low Kick. Erst langsam, dann im Rhythmus.
  5. Checken mit Partner. Der Partner tritt langsam und kontrolliert, du hebst das Bein. Erst angesagt, dann frei.
  6. Kick und Check im Wechsel. Beide treten abwechselnd, beide checken. So trainierst du das Lesen der Hüfte von beiden Seiten.

Die Reihenfolge entscheidet. Wer am Sack hart tritt, bevor die Standbein-Drehung sitzt, trainiert genau das hölzerne Treten aus der Fehlertabelle. Das ist gut trainierte Dummheit: tausend Mal falsch ist auch trainiert.

Häufige Fragen

Tut der Low Kick am Anfang weh?
Am Sack und beim Checken ja, vor allem am Schienbein. Das wird besser, wenn Technik und Trefferfläche sauberer werden. Schmerz, der nach dem Training nicht abklingt, gehört zu einer Ärztin oder einem Arzt, nicht in die nächste Einheit.

Brauche ich Schienbeinschoner?
Für Partnerübungen und Checken ja. Am Sack trainieren viele ohne, das ist eine Frage von Belastung und Gewöhnung. Fang mit Schonern an.

Ist der Low Kick für die Selbstverteidigung sinnvoll?
Er zielt auf das Bein und braucht wenig Platz. Gleichzeitig stehst du dabei kurz auf einem Bein, und das ist auf Asphalt und in Straßenschuhen ein Risiko. Im Training lernst du vor allem das Prinzip: die Basis des anderen angreifen, die eigene schützen.

Kurz gesagt

  1. Das Standbein dreht, die Hüfte geht durch, das Schienbein trifft.
  2. Der Low Kick braucht ein Setup. Oben fragen, unten antworten.
  3. Die Hand auf der Kick-Seite bleibt am Gesicht.
  4. Checken ist Timing: Lies die Hüfte, nicht das Bein.
  5. Erst verteidigen lernen, dann treten.
Cover: OMPAIN File 01, Die 5 Prinzipien

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Die 5 Prinzipien, die jede Technik tragen

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  • Ein Test, den du heute im Training machen kannst
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